Artikel: Was versteht man unter der Kleinunternehmer-Regelung?

Kleinunternehmer Regelung

Du hast dich schon etwas bzgl. einem Wechsel in die Selbstständigkeit erkundigt und bist auf den Begriff “Kleinunternehmer-Regelung” gestoßen? Was bedeutet er und was hat diese Regelung für Auswirkungen? Dieser Beitrag gibt Antworten zu den wichtigsten Fragen dazu.

Um gleich einmal vorab klarzustellen: 

Die Begriffe Kleinunternehmer und Kleingewerbe sind nicht das gleiche.  Viele verwechseln diese gerne, sie haben jedoch eigentlich nichts miteinander zu tun.

Kleinunternehmer:

Kleinunternehmer bezieht sich allgemein auf ein Unternehmen mit niedrigen Umsätzen. Der Begriff wird vor allem in Zusammenhang  mit der Kleinunternehmer-Regelung verwendet, die sich auf eine Regelung in der Umsatzsteuer bezieht.

Kleingewerbe:

Ein Kleingewerbe ist ein Unternehmen, das „nach Art oder Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb nicht erfordert“ (§1 Abs.2 HGB).

Kleingewerbetreibende müssen sich nicht in das Handelsregister eintragen, für sie gilt deshalb das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) als gesetzliche Grundlage und nicht das Handelsgesetzbuch (HGB), das nur für Kaufleute gilt.

Folgerung:

Kleinunternehmer sind Kleingewerbetreibende (sofern sie nicht Freiberufler sind).

Kleingewerbetreibende sind nicht unbedingt Kleinunternehmer.

Spätestens, wenn du den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung des Finanzamts in den Händen hältst, musst du wissen, was es mit der Kleinunternehmer-Regelung auf sich hast.

Angehende Freiberufler und Gewerbetreibende finden diesen Punkt im Fragebogen unter 7.3, wer eine UG, GmbH oder andere Kapitalgesellschaft anmeldet, findet ihn unter 8.3.

Was bedeutet die Kleinunternehmer-Regelung also?

Wer sich für diese Regelung entscheidet, ist von der Umsatzsteuer befreit.

Das bedeutet, dass man seine Rechnungen an Kunden oder Auftraggeber ohne Umsatzsteuer ausstellt, der Nettobetrag entspricht also dem Bruttobetrag. An das Finanzamt muss man dementsprechend auch keine Umsatzsteuer zahlen.

Weitere Informationen und Tipps beim Weg in die Selbstständigkeit findest du auch im Leitfaden: Wechsel in die Selbstständigkeit: Ein Leitfaden für angehende Freiberufler und Gewerbetreibende in Deutschland.

Beispiel:

Du bist Grafikdesignerin und berechnest an einen Kunden 2 Stunden Beratung à 85 Euro. Die Rechnung stellst du dann auf 170 Euro aus.

Als Kleinunternehmer solltest du einen Hinweis auf deiner Rechnung zufügen, weshalb keine Umsatzsteuer ausgewiesen wird. Dieser Hinweis kann z.B. so aussehen: „Gemäß § 19 UStG wird keine Umsatzsteuer berechnet.“ (Du musst nicht verpflichtend erwähnen, dass du Kleinunternehmer bist).

Gleichzeitig darf man bei Ausgaben, die man für seine selbstständige Tätigkeit oder für sein Unternehmen hat, keine Vorsteuer geltend machen.

Beispiel:

Du kaufst einen neuen Laptop für deine Arbeit als Übersetzerin für 1.349 Euro. Laut der Rechnung sind in diesem Betrag 19% USt enthalten, sprich 215,39 Euro.

Da du nach der Kleinunternehmer-Regelung weder Umsatzsteuer noch keine Vorsteuer anmeldest, kannst du dir die 215,39 Euro Vorsteuer auch nicht vom Finanzamt zurückholen.  

Wer kann die Kleinunternehmer-Regelung wählen?

Für die Kleinunternehmer-Regelung gilt die Höhe des Umsatzes.

Wenn man bei der Anmeldung im Finanzamt davon ausgeht oder schätzt, dass sein Umsatz für das gesamte Jahr nicht über 17.500 Euro sowie im Folgejahr nicht 50.000 überschreiten wird, kann man die Kleinunternehmer-Regelung in Anspruch nehmen.

In diesem Fall kann man sich für die Kleinunternehmer-Regelung entscheiden oder bewußt auf sie verzichten.

Dies gilt sowohl für Freiberufler und Gewerbetreibende sowie auch für UGs, GmbHs und andere Kapitalgesellschaften.

Zu beachten: Wer auf die Kleinunternehmer-Regelung verzichtet, ist mindestens 5 Jahre daran gebunden.

Hat man sich für die Kleinunternehmer-Regelung entschieden, und der Umsatz liegt im Folgejahr jedoch über 50.000 Euro, dann kann diese Regelung nicht weiter in Anspruch genommen werden und man wird umsatzsteuerpflichtig.

Wer seine Geschäftstätigkeit nicht im Januar eines Jahres beginnt, muss den geschätzten Umsatz genau auf den Monat auf ein ganzes Jahr hochrechnen. Angefangene Monate zählen dabei als ganze Monate.

Beispiel: Du meldest Deine Selbstständigkeit zum 15. Juni an, das bedeutet dass du im ersten Jahr nur 7 von 12 Monaten geschäftlich tätig bist. In diesem Fall beträgt die Umsatzgrenze nach der Kleinunternehmer-Regelung nur 10.208 Euro (= 7/12 von 17.500 Euro).

Welches sind die Vor- und Nachteile der Kleinunternehmer-Regelung? 

Vorteile:

  • durch das Entfallen der Umsatzsteuervoranmeldung hat man weniger bürokratischen Aufwand
  • die Rechnungsstellung ist einfacher, da Netto = Brutto
  • gegenüber Privatkunden könnte man im Vergleich zu Konkurrenten, die Umsatzsteuer auf ihrer Rechnung angeben müssen, im Vorteil liegen, denn für die Kunden kann der Preis ohne Umsatzsteuer günstiger sein

Nachteile:

  • wer gerade in der Anfangsphase der Geschäftstätigkeit viele Ausgaben hat, auf denen Umsatzsteuer ausgewiesen ist, kann sich diese Vorsteuer nicht vom Finanzamt zurückholen
  • sollten die Umsätze steigen und man nicht mehr die Kleinunternehmer-Regelung in Anspruch nehmen kann, können durch  die Umstellung eventuell Preiserhöhungen gegenüber Kunden notwendig sein, da man nun Umsatzsteuer mit angeben muss
  • ein langfristiger Status als Kleinunternehmer könnte bei manchen Kunden, vor allem im Firmenkunden-Geschäft ein negatives Image haben. 

Weitere Informationen und Tipps beim Weg in die Selbstständigkeit findest du auch im Leitfaden: Wechsel in die Selbstständigkeit: Ein Leitfaden für angehende Freiberufler und Gewerbetreibende in Deutschland.

Wenn du dich selbstständig machst und Anspruch auf die Kleinunternehmer-Regelung hast, solltest du in jedem Fall abwägen, ob diese für dich Sinn machen würde.

Hinweise zur Kleinunternehmer-Regelung sowie einen Überblick über die wichtigsten Punkte, die du beachten solltest, wenn du in die Selbstständigkeit wechseln möchtest, findest du auch in unserem Leitfaden zur Selbstständigkeit, der unter dem Menüpunkt Shop hinterlegt ist! 

Hinweis:

Die Informationen und Hinweise in diesem Artikel stellen keine Beratung oder Empfehlung dar. Sie wurden nach besten Wissen und Gewissen aus öffentlich zugänglichen Quellen zusammengestellt, eine Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit kann nicht übernommen werden. In konkreten Fällen solltest du dich an einen Steuerberater wenden.

Foto: jarmoluk/pixabay